Liebe Gartenfreund,
hier kannst Du dein Hobby das Du neben deinen Garten hast, durch uns ,wenn Du möchtest ,einstellen lassen !
Der Vorstand freut sich auf eine rege Beteiligung

 
...unsere Fachberaterin Renate hat ein schönes altes Hobby









 

Ein Spinnrad, das auf Reisen geht

Renate Antonie Krause will die Tradition des Spinnens weitergeben – Mit Märchen wird das Handwerk lebendig

Handlich, robust und für den Transport geeignet: Renate Antonie Krause testet im Büro Soziale Stadt Neumühlen-Dietrichsdorf das Spinnrad, das aus dem Verfügungsfonds für Veranstaltungen und Kurse im Stadtteil angeschafft wurde.

Neumühlen-Dietrichsdorf. Als Spinnerei hat die Jury des Verfügungsfonds Neumühlen-Dietrichsdorf den Antrag von Renate Antonie Krause keineswegs abgetan. Im Gegenteil: Um für ihre Märchenveranstaltungen die passende Atmosphäre zu schaffen, sowie für ihre Kurse erhielt sie nun ein mobiles Spinnrad.

In ihrer Kindheit konnte die heute 67-Jährige mit Handarbeiten nichts anfangen, was aber auch an der Pädagogik in der Schule gelegen habe. „Wir hatten als Lehrerin einen alten Drachen“, erzählt die Seniorin. „Ich hatte immer dicke, schwarze Lidstriche aufgetragen, und meine Lehrerin wollte mich dazu bewegen, diese zu entfernen, doch ich weigerte mich. Als Note bekam ich eine Fünf.“

Die Liebe zu Handarbeiten kam erst später. „Als es mir eine Zeitlang schlecht ging, habe ich einen Spinnkurs im Haus der Familie belegt“, erzählt die vierfache Mutter. Schnell sei ihr klar geworden, dass ihr diese Tätigkeit liege: „Das Spinnrad hat sofort das gemacht, was ich wollte.“ Und das ist nicht selbstverständlich: „Zunächst sagt das Spinnrad: Das ist mein Faden“, erklärt die Dietrichsdorferin sinnbildlich. „Erst später sagt es: Das ist dein Faden.“ Die Schwierigkeit: Die Füße arbeiten in einem anderen Takt als die Hände. „Das ist wie Schlagzeugspielen“, beschreibt Krause und fährt fort: „Zwirbelt man den Faden zu wenig, reißt er – zu viel, bricht er.“ Was sie an dieser Beschäftigung liebt: „Sie hat etwas Meditatives: Man zentriert sich und sieht sofort ein Ergebnis.“ Nach dem Kurs kaufte sie sich 1983 ein „Bockrad“, das sie heute noch besitzt.

Doch das Spinnen bestimmte seitdem nicht nur ihre Freizeit. Auch das berufliche Feld hat sich immer mehr in den Bereich Handarbeit verlagert: Zunächst war die gelernte Buchhändlerin mehrere Jahre am Institut für Weltwirtschaft und dann an einem privaten Institut mit Bibliotheksaufgaben betraut. Dann kam der Wandel: Von 1984 bis 2001 führte sie das Geschäft „De Wullstuuv“ an mehreren Standorten in Kiel und Umgebung. Außerdem ist sie 20 Jahre lang an Wochenenden zu Veranstaltungen, zum Beispiel Mittelaltermärkten, gereist, um zum Beispiel Wolle oder Gewänder nach historischen Vorbildern anzubieten. Ein weiteres Standbein: Krause arbeitete als Vertretungskraft in Waldorfschulen und brachte den Kindern Weben, Filzen, Stricken, Sticken, Schneidern, Papierschöpfen und Spinnen bei. An anderen Schulen gab sie Workshops, zum Beispiel unter dem Titel „Vom Schaf zum bunten Faden“. „Im Tierpark Warder durften die Kinder die Schafe mit ihrer dicken Wolle streicheln“, erinnert sich Krause. „Aus Rohwolle haben wir gemeinsam Fäden gesponnen, diese gefärbt und daraus auf Rahmen Bilder gewebt.“ Was ihr auffiel: „Kleine, hyperagile Jungen haben zu ihrem Takt gefunden.“

An ihrem Spinnrad sitzend, erzählt die Seniorin zu verschiedenen Gelegenheiten auf Veranstaltungen Märchen. Sie drehen sich alle um das Thema „Stoffe“ oder „Spinnen“. Auf ihrem Programm stehen unter anderem „Des Kaisers neue Kleider“, „Das tapfere Schneiderlein“, „Dornröschen“ und „Rumpelstilzchen“, wobei sie die Zuhörer einbindet. Sie stellt beispielsweise zum Märchen „Frau Holle“ die Frage: „Warum sind die Finger des Mädchens vom Spinnen blutig?“ Die Antwort: „Früher wurde aus Flachs Leinen gesponnen; die Faser war sehr rau.“ Das sind Anknüpfungspunkte für Schilderungen über das traditionelle Handwerk.

Auch für solche Zwecke möchte Krause das neue leichte, transportable Spinnrad nutzen. Die Seniorin, die eine Erwerbsminderungsrente erhält, freut sich sehr über die Zuwendung aus dem Förderfonds, mit dessen Hilfe sie Neumühlen-Dietrichsdorf bereichern möchte: „Auf meinem Plan stehen Spinnkurse in der Anlaufstelle Nachbarschaft, Workshops in Schulen und Märchenstunden in Kitas und auf Stadtteilfesten.“ Im Gepäck wird sie „Isegrim“ haben, so lautet der Handelsname des Gerätes aus Holz, das – schaut man genauer hin – von seiner Form her auf der einen Seite in einen Wolfsschwanz und auf der anderen in zwei Pfoten ausläuft.

Quelle :Kieler Nachrichten vom 26.11.2020 Von Annette Göder

letzte Änderung: 15.12.2020